Fiè! (Guten Abend!)
Wir sitzen hier bei einem Gläschen spanischen Rotwein-Tetrapack und schreiben mal wieder aus tropischem Klima. Die Regenzeit neigt sich dem Ende und nun regnet es nicht mehr jeden Tag.
Wir sind stoffsüchtig, süchtig nach afrikanischen Stoffen. Man kann nicht durch die Straßen gehen ohne dass Annina sagt: “Guck dir den Stoff an, da draus `n Kleid...“ Dank unserer neuen Einkleidung werden wir nun „African man und African woman...“ genannt. Anninas zweites Kostüm ist nun auch fertig und Karl besitzt ein typisch afrikanisches Up and Down.
Unsere erste Krankheit haben wir mittlerweile überwunden, wie jeder andere hier auch hatten wir uns eine Erkältung eingefangen. Man unterschätzt die Sonne, die das Immunsystem beträchtlich schwächt und auf Anninas Rücken gefüllte Brandblasen hinterließ. Aber dank Panthenol ist alles wieder verheilt. Natürlich gab es auch einen zweiten Teil unserer Fahrradmarathon-Action und zwar nach Jasikan, in den Norden. Eigentlich wollten wir in einer kleinen Lodge übernachten, welche sehr schick und ruhig gelegen ist. Aber leider war sie ausgebucht, so dass wir den ganzen Weg wieder zurück fahren mussten. Wunderbarerweise gab es zu Hause an diesem Tag einige Stunden Ruhe, weil alle in einer entfernten Kirche waren. Amen!
Seit Kurzem gibt es für unsere Fahrräder starke Konkurrenz in motorisierter Form, eine kleine Yamaha- Motorroller- Sie. Wir bekamen sie von CRAN und mussten für die Reparatuen selbst aufkommen. Nach sehr komplizierter Anfangsphase, Stunden in der „Werkstatt“ und Plünderung unserer Geldbörse wechselten wir den Mechaniker und nun fährt uns unsere Lady mit maximal 45 Sachen und den Korb voll Wasserflaschen in den Wald, an Flüsse und Wasserfälle. Das wichtigste Werkzeug eines Ghanaischen „Mechanikers“ sind ein Hammer, oder auch Stein, und ein Schraubenzieher. Provisorisch klappt`s am Ende doch, fragt sich nur wie lange. Toi, toi, toi! Mittlerweile hat sie gute Dienste getan und uns zum Talking River gebracht. Dieser liegt sehr versteckt, noch nicht wirklich erschlossen, aber ein schöner Platz. In dem Fluss liegen große Felsen und durch die Fließgeschwindigkeit entsteht ein lautes Rauschen, welche die Vorfahren als Erzählungen deuteten.
Sehr viel schöner sind die Tsatsadu- Kaskaden in Alavanyo Abehenease. Nach einer Schotterpiste mit etlichen Schlaglöchern muss man zuerst dem Dorf- Chief eine Flasche Gin für die Götter spendieren. Ein paar Schlucke werden getrunken und ein paar auf den Boden geschüttet um die Götter zu besänftigen. Nachdem man den Berg erklommen hat wird man mit einer fantastischen Sicht belohnt. Dann kämpft man sich durch riesige beißende Ameisen und bunte Spinnen und gelangt zu einem wunderschönen Bambus. Dahinter befindet sich der Fuß des Wasserfalls, an dem man vollkommen allein ist und nur die Natur genießt. Wir wollen auf jeden Fall noch einmal dort hin, weil sich auf dem Berg ein Meditationszentrum befindet, in dem man auch übernachten kann.
Bei uns im Haus gibt es Nachwuchs. Nach einer Woche kommt das Neugeborene, welches am Anfang noch nicht richtig schwarz ist, zum ersten Mal ans Tageslicht. Bei dieser traditionellen Zeremonie wurde die Kleine vom Familien- Ältesten zum ersten Mal mit der Umwelt in Berührung gebracht. Hierbei mussten die Götter wieder mit selbstgemachten Palmwein und Korn besänftigt werden. Im Anschluss gab es Coca- Cola. Globalisierung lässt grüssen! Annina und die Neugeborene sind Geschwister, weil sie beide am Mittwoch geboren wurden und somit Akus sind. Der Tag, an dem man geboren wird, gibt jedem einen Namen zu diesem Tag. Karl ist zum Beispiel ein Yao, Donnerstag geboren. Kofi Anan ist am Freitag geboren.
Wir haben Käse gefunden! Im Palm Groove Restaurant bereitet Eunice den traditionellen Waglaschi zu. Schmeckt ein wenig wie Haloumi mit scharfer Chillisoße und Reis, ist leider verhältnismäßig teuer. Da wir ja stoffsüchtig sind haben wir uns gleich mit Eunice kurz geschlossen und zwei Tage später einen Batik- Workshop zusammen mit Seba gemacht. An diesem Tag konnten wir unsere eigenen Stoffe bestempeln und färben, batiken. Der Name dafür ist Tie and Die. Nach mehreren Stunden harter Arbeit hatten wir uns unseren Waglaschi im Anschluss verdient. Nun liegen zwei wunderschöne Stoffe in unserem Zimmer und warten auf die Weiterverarbeitung.
Am Montag, 16.10., hatten wir hohen Besuch aus Deutschland bzw. Togo. Herr Kuessner, unser Vorsitzender vom DAZ e.V., und Etienne, welcher in Deutschland studiert und gearbeitet hat und jetzt in Togo eine kleine Firma betreibt, ebenfalls im DAZ ist, hat als Übersetzer fungiert. Etienne spricht Ewe, Englisch, Deutsch und Französich und kommt ursprünglich aus Togo. Die beiden waren nur sehr kurz hier und haben intensive Gespräche mit CRAN, bezüglich der Zusammenarbeit, geführt. Außerdem hat Herr Kuessner viele Grüße übermittelt und die Zion Schule besucht. Da die Deutsche Partnerschule in Bützow ein Stand Up gegen Armut veranstaltete, tat es ihr die Zion Schule in Hohoe gleich. Wir waren somit Teil einer faszinierenden Begrüßung der SchülerInnen. Sie tanzten Bobobo und trommelten, dass auch wir mittanzten. Dann kamen wir durch Herr Kuessner auch in den Genuss das Gästehaus von CRAN (unsere ursprünglich geplante Unterkunft) mal näher kennen zu lernen. Vom feinsten, aber nicht für uns!
Endlich haben wir es auch geschafft durch unsere Lady Liati- Wote zu besuchen um dort einige Kinder aus dem Sponsorship aufzusuchen und Fotos zu machen etc. Seba hat uns dann alle Projekte von CRAN in dem Dorf gezeigt und erklärt. Unter anderen Pilzzucht, Bienenzucht, Palmölproduktion und Computerschule etc. Aber auch hier gibt es einige Probleme bei der Erhaltung der Projekte und viel zu überdenken. Liati- Wote ist ein wunderschöner Ort am Fuße des höchsten Berges von Ghana, dem Afadzato, knapp 1000 Meter. Auf dem Weg dort hin konnten wir den größten Baum, den wir je gesehen haben, einen Baobab (Affenbrotbaum), bestaunen. Um diesen passen acht Armspannen von einem von uns, so ist er also rund 14 m im Umfang.
Unsere letzte Aktion war Samstag früh um fünf Uhr mit dem Motorroller zum Monkey Sanctuary zu fahren, in dem Karl endlich ein paar Spielgefährten gefunden hat. Wir konnten die Affen aus der Hand mit Bananen füttern, die sie sich selber abgepellt haben. Das Monkey Sanctuary ist ein Schutzgebiet in dem bis zu 200 Affen in vier verschiedenen Gruppen leben und nur früh morgens ins Dorf Tafi Atome kommen. Im Allgemeinen waren wir schon ein wenig enttäuscht, da es sehr teuer war und unser Führer keinen Plan hatte. Die Führung durch den herrlichen Feuchtsavannenwald war also sehr kurz. Als wir meinten wir wollen mindestens zwei Stunden im Wald spazieren gehen, ist er fast zusammen gebrochen.
Also schöne Grüße aus dem sonnigen Hohoe und wir freuen uns schon sehr auf den Besuch im Dezember. Das wird bestimmt das tollste Weihnachten und Sylvester zusammen! Karl hat sich schon vor lauter Vorfreude die Haare im Beautysalon waschen und trocknen lassen.
Bis bald. Mia ga dogo!
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